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Monatliche Kolumne

März 2019: Power-to-gas

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

 

die Energiewende ist im vollem Gange. Immer mehr Strom in Deutschland wird aus Wind und Sonne erzeugt. Mittlerweile stammen rund 40 Prozent des produzierten Stroms in unserem Land aus Erneuerbaren Quellen. Bis 2030 sollen es 65 Prozent sein. Leider hinkt der notwendige Ausbau der Stromnetze noch immer hinterher. Zudem fehlen für das weitere Gelingen der Energiewende Stromspeicher, die an besonders wind- und sonnenreichen Tagen die produzierte Energie aufnehmen können. Ein vielversprechender Ansatz um Kapazitätsprobleme im Stromnetz zu lösen, ist die Umwandlung von Strom in Gas (Power-to-Gas). Die moderne Power-to-Gas-Methode beruht auf dem seit zweihundert Jahren erprobten Verfahren der Elektrolyse, bei der mit Hilfe von elektrischer Energie Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten wird. Der gewonnene Wasserstoff lässt sich - anders als Strom - flexibel transportieren und speichern. Er kann bei bei Bedarf zur Energieerzeugung in Gaskraftwerken genutzt oder in Methan oder synthetische Kraftstoffe umgewandelt werden. Stammt der Strom aus Erneuerbaren Quellen, ist der gewonnene Brennstoff klimaneutral. Ein weiterer Vorteil: der in Gas umgewandelte Strom kann auch im Verkehrssektor, für die Beheizung von Gebäuden oder in der Industrie eingesetzt werden (Sektorenkopplung). Bisher ist das Verfahren noch sehr teuer und es gibt hierzulande erst einige Pilotanlagen, die sogenanntes grünes Gas gewinnen können. Was mal wieder fehlt sind die nötigen Rahmenbedingungen seitens der Politik. Die Marktteilnehmer scheinen, wie so oft, voraus. Betreiber von Strom- und Gasnetzen sowie Gasspeichern liefern sich mittlerweile ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Aufbau einer Power-to-Gas Infrastruktur. Der Stromnetzbetreiber Amprion und der Gasnetzbetreiber Open Grid Europe stehen nun kurz davor, den ersten Speicher für Windstrom im industriellen Maßstab zu bauen. Sie wollen im Kreis Emsland in Norddeutschland mit dem Projekt „Hybridge“, einer 100 Megawatt-Anlage, in die Genehmigungsphase gehen. Für grünes Gas fehlt lediglich noch grünes Licht von Seiten der Bundesregierung. Die Bundesnetzagentur hat Bedenken, dass zwei Netzbetreiber durch die Power-to-Gas-Anlage zu Stromproduzenten würden, was Ihnen nicht erlaubt ist. Klar ist: Um die Klimaziele zu erreichen, brauchen wir leistungsfähige Speichertechnologien im großen Maßstab. Power-to-Gas bietet vielversprechende Möglichkeiten, in einem Moment überschüssige Energie direkt weiter zu nutzen, Stromnetze zu stabilisieren und die Netzkosten für Verbraucher zu senken. Denn so könnte die Nutzung der vorhandenen Gasinfrastruktur möglicherweise sogar den Bau neuer Stromleitungen zu einem Teil überflüssig machen. Grünes Gas als weiterer Baustein zur Energiewende?

 

Herzliche Grüße

Ihre Bärbel Heidebroek

 

März 2019: Fridays for future

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

 

wissen Sie was mich, als Mutter von vier Kindern, aufregt? Wenn unsere Kinder demonstrieren müssen, weil wir zu langsam, zu uneinsichtig und zu bequem sind, ein Problem zu lösen. Ich spreche von der Fridays for Futures Bewegung. Bei diesen ,,Freitagen für die Zukunft“ gehen Schüler, Studenten und junge Erwachsene auf die Straße und fordern unsere Politiker auf, umgehend Maßnahmen zu ergreifen, um unser Klima zu retten. Warum? Damit sie in einer lebenswerten und intakten Umwelt leben können. Die Initiatorin, Greta Thunberg, hat dafür die passenden Worte gefunden: „Was Ihr tut oder nicht tut, wird mein ganzes Leben bestimmen und das meiner Kinder und Enkel.“ Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass mich das sehr betroffen macht. Obwohl die Energiewende mein Alltagsgeschäft ist, haben auch mich die Klimastreiks dieser Jugendlichen mal wieder so richtig wachgerüttelt. Wir unternehmen einfach zu wenig. Die Klimakrise schreitet voran und wir schauen zu. Vereinbarte Klimaziele verfehlt Deutschland regelmäßig und die deutsche Entwicklung der E-Mobilität erinnert mich eher an einen lahmen Gaul als an ein fortschrittliches Zugpferd. Und die Politik sitzt aus und wartet ab. Wer nichts entscheidet, macht nur scheinbar keinen Fehler. Der Ausstieg aus der Braunkohle muss sozialverträglich sein. Absolut. Die Kosten der Energiewende dürfen nicht ausufern. Das stimmt. Und trotzdem müssen wir schneller und konsequenter handeln. Bisher stellen wir unsere – nur teilweise richtigen - wirtschaftlichen Bedenken über die Zukunft unserer Kinder. Und unsere Kinder machen uns gerade klar, dass wir ihnen ihre Lebensgrundlagen entziehen! Dagegen demonstrieren am 15.3. in über 40 Ländern auf allen Kontinenten (außer der Antarktis) Schüler und Studenten erneut. Es soll der größte internationale Klimastreik werden, den die Welt bisher gesehen hat. Auch in Braunschweig auf dem Schlossplatz wird um 10 Uhr demonstriert. Unsere Kinder haben die Tragweite unseres Handelns oder eher gesagt Nichthandelns längst verstanden. Jetzt müssen wir Erwachsenen liefern. Felix Finkbeiner, Gründer der Kinder- und Jugendinitiative Plant-for-the-Planet, sagte einmal „Ein Moskito kann nichts gegen ein Nashorn ausrichten, aber 1.000 Moskitos können es dazu bewegen, seine Richtung zu ändern.“

Lassen Sie uns ein einsichtiges Nashorn sein!

 

Herzliche Grüße

Ihre Bärbel Heidebroek

 

Februar 2019: Kohleausstieg

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Deutschland soll bis 2038 aus der Kohle aussteigen. So lautet der Ende Januar veröffentlichte Kompromiss der Kohlekommission. Bis 2038 weiterhin Kohle zu verbrennen, sei absurd, urteilte daraufhin die momentan wohl bekannteste Klimaaktivistin Greta Thunberg. Eigentlich muss der Ausstieg schneller erfolgen, das ist sicher richtig. Nichtsdestotrotz ist es doch eine kleine Sensation und von historischer Bedeutung, dass die Vertreter aus Wirtschaft, Umweltverbänden, Klimaexperten und Gewerkschaften in diesem so heiß umstrittenen Thema eine Einigung erzielen konnten. Vor dem Hintergrund der geschichtlichen Bedeutung der Kohle, die die Industrialisierung vorangebracht hat und ganze Regionen prägte, ist das was da beschlossen wurde eine richtig große Sache. Wenn es der Bundesregierung gelingt, aus der Empfehlung der Kommission einen Regierungsbeschluss zu erstellen, könnte Deutschland seine zuletzt verlorene Führungsrolle beim weltweiten Klimaschutz zurückgewinnen. Die Politik muss den erzielten Kommissionsbeschluss als Weckruf begreifen, die Energiewende durch den Ausbau der Erneuerbaren, der Leitungsnetze und der Speichertechnologien endlich konsequent voran zu treiben. Unverständlicherweise erinnerte das Gebaren der Politik in den letzten Jahren eher an ein Ausbremsen eben dieser. Ein Beispiel hierfür ist die Windenergie. Mehr und mehr werden überlange Verfahren und in der Folge fehlende Genehmigungen zum Problem der Energiewende. So ist der Ausbau der Windenergie im vergangenen Jahr um die Hälfte eingebrochen. Auch die unverhältnismäßig vielen Klagen zum Artenschutz-Hintergrund sind hierfür ursächlich. 2018 wurden Zahlen des Bundesverbands Windenergie zufolge 2.402 Megawatt bzw. 743 Windräder errichtet – ein Rückgang von 55 Prozent gegenüber 2017. Eigentlich müsste es anders laufen: mehr statt weniger Windräder. Denn wie sonst lassen sich Energiewende und Kohleausstieg bis 2038 bewältigen? Und bedeutet nicht Klimaschutz auf lange Sicht auch Artenschutz? Eins ist sicher: Eine Energiegewinnung durch das Verbrennen von fossiler Braun- oder Steinkohle ist weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll. Wind- und Solarkraft sind längst dabei, das Wettrennen um die wirtschaftlichste Erzeugungsart zu gewinnen. Jeder, der sich ernsthaft mit dem Klimawandel beschäftigt hat, weiß, dass eine gute Zukunft nur mithilfe einer Erneuerbaren Energieversorgung möglich sein wird. Jetzt geht es darum, ein System zu erschaffen, das eine stabile Versorgung mit grüner Elektrizität garantiert. Das dürfte eine lösbare Aufgabe für eine Ingenieurs-Nation wie Deutschland sein. Der Beschluss der Kohlekommission sollte uns daher anspornen und motivieren. Für ein gutes Morgen und gegen das Gestern!

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihre Bärbel Heidebroek

 

Januar 2019: Ökostromanteil

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

ein frohes und gesundes Neues Jahr! Aus Sicht des Klimaschutzes ist 2019 mit tollen Nachrichten gestartet. Der Anteil Erneuerbarer Energien am Strommix ist 2018 in Deutschland erstmals über 40 Prozent angestiegen. Er legte somit im Vergleich zum Vorjahr laut Frauenhofer-Institut für Solare Energiesysteme um 4,3 Prozent auf 219 Terrawattstunden zu. Bemerkenswert ist, dass die Windenergie mit einer Produktion von 111 Terrawattstunden mittlerweile Deutschlands zweitwichtigste Stromquelle ist. Und das trotz eines eher mäßigen Windjahres und einem um rund 50 Prozent eingebrochenen Zubau. Sie ist der Braunkohle mit 131 Terrawattstunden dicht auf den Fersen. Deren schmutziger Anteil sank 2018 leider trotz des starken Preisanstiegs von CO2-Zertifikaten nur um zwei Prozent. Ein Grund dafür ist, dass sich Deutschlands größter Braunkohleverstromer, der Energieriese RWE, schon für mehrere Jahre im Voraus mit billigen CO2-Zertifikaten eingedeckt hat. Um die Klimaziele der Bundesregierung zu erreichen, muss die aktuelle Energiepolitik geändert werden und die Braunkohle bis 2030 verschwinden. Für seine eigene Versorgung könnte Deutschland vermutlich ohnehin bereits jetzt mit deutlich weniger Braunkohlestrom auskommen, wenn wir mehr auf innovative Konzepte des Energieeinsatzes, Speichertechnologie etc. setzen würden. Dass der Anteil der Erneuerbaren trotz des politischen Gegenwinds so stark gestiegen ist, lässt die Vermutung zu, dass er ohne die Behinderung durch Politik und Genehmigungsbehörden schon heute viel höher liegen könnte. Auch das Zwischenziel der Bundesregierung von 40-45 Prozent Ökostrom bis 2025 ist eigentlich absurd, da ja 2018 schon 40 Prozent erreicht sind. Wir brauchen Kreativität, politischen Mut und wirklich ambitionierte Ziele, um den Klimawandel zu begrenzen und den Erneuerbaren die Chance zu geben, ihr volles wirtschaftliches Potential zu entfalten. Wie wäre denn folgender Plan? Eine Vollversorgung mit Ökostrom bis 2030?! Getreu dem Motto: If it doesn´t challenge you, it doesn´t change you.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihre Bärbel Heidebroek

 

Dezember 2018: fossile Probleme

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
fossile Energien sind keine zukunftsfähige Lösung. Unabhängig von ihren großen negativen Auswirkungen auf unser Klima gibt es eine ganze Reihe weiterer Gründe von ihrer Förderung und Verbrennung zur Energiegewinnung Abstand zu nehmen. Dass auch Kohle und Co. nicht ganz unabhängig von den Wetterbedingungen sind, hatte ich in meiner letzten Kolumne schon thematisiert. Durch den Dürresommer konnten Kohleschiffe aufgrund der niedrigen Pegelstände der großen Binnenflüsse nicht mehr ausreichend beladen werden. Da die Trockenheit auch den Herbst über angehalten hat, hat sich das Problem mit dem Mangel an fossilen Brennstoffen so ausgeweitet, dass die Bundesregierung Ende Oktober eine außergewöhnliche Maßnahme eingeleitet hat. Sie hat die Vorräte des Erdölbevorratungsverbands freigegeben, um eine Gefährdung der Wirtschaftslage abzuwenden. In der Geschichte kam dies bisher nur dreimal vor und bisher nur im Fall von Naturkatastrophen und internationalen Konflikten wie beispielsweise dem Irak-Konflikt. Es sollte also mehr als ein mulmiges Gefühl auslösen, wenn Klimaforscher davon ausgehen, dass solch extreme Wetterperioden aufgrund des Klimawandels zunehmen werden. Jüngsten Berichten der Internationalen Energieagentur (IEA) zufolge drohe zudem in den kommenden Jahren ein drastischer Einbruch der globalen Erdölförderung und damit eine dramatische fossile Versorgungskrise. Tatsächlich sind die weltweiten Ölfunde in den vergangenen Jahren trotz teilweise großer Investitionen der Branche in die Erforschung neuer Quellen (Exploration) kontinuierlich gesunken. Im letzten Jahr wurde ein absoluter Negativrekord erreicht. Viele Geologen betrachten die Erde als „aus-exploriert“. Bisher wurde der Rückgang der Förderung durch sogenanntes unkonventionelles Öl aus Fracking, Teersanden und aus Tiefseequellen ausgeglichen. Die Frage ist allerdings, wie lange das noch so funktioniert. Von den Umweltauswirkungen mal ganz abgesehen. Alles in allem ist das Ganze ein ziemliches Schreckensszenario für die Weltwirtschaft. Denn diejenigen, die bereits auf zukunftsfähige Erneuerbare Energien umgestellt haben, sind bisher zu wenige um einen großen Wirtschaftscrash verhindern zu können. Wie heftig politische Konflikte und Aufstände um Rohstoffe und fossile Ressourcen sind, hat die Vergangenheit vielfach gezeigt. Auch in diesen Tagen bekommt man mit Blick auf Frankreich eine Ahnung von dem zugrundeliegenden Konfliktpotential. Ein Beharren auf dem konventionellen Energiesystem wird zu schweren Verwerfungen in der Weltwirtschaft führen und Ressourcenkriege weiter eskalieren lassen. Kohle ist kein Ausweg, sondern führt in die Klimasackgasse. Die Risiken der Atomenergie sind unverantwortbar. Nur die vollständige Umstellung auf Erneuerbare Energien wird langfristigen Klimaschutz gewährleisten und zukünftige Kriege um fossile Ressourcen verhindern.


Mit freundlichen Grüßen
Ihre Bärbel Heidebroek

 

 

November 2018: Energiemarkt

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

der heiße Dürresommer bei uns in diesem Jahr und auch die aktuellen Unwetter in Südeuropa zeigen, dass der Klimawandel real ist. Ziel muss sein, sich zunehmend von den fossilen Energieträgern zu trennen. Sie beschleunigen durch die CO2-Emissionen den Klimawandel. Aktuell zeigt sich, dass die Wetterkapriolen auch Auswirkungen auf die Strompreise haben. Neben einem steigenden Energieverbrauch (z.B. Klimaanlagen) kam es im Sommer zu Engpässen in der konventionellen Energieversorgung, da Kohleschiffe durch niedrige Pegelstände nicht mehr beladen werden konnten und Atomkraftwerke vom Netz genommen werden mussten. Sie konnten kein erwärmtes Kühlwasser mehr in die ohnehin schon aufgeheizten Gewässer einleiten. Auch jetzt noch können Binnenschiffer aufgrund des anhaltenden Niedrigwassers auf dem Rhein nur einen Bruchteil ihres Laderaumes für Kohle füllen. Das treibt die Frachtpreise und mit ihnen die Kosten für fossile Energieträger drastisch in die Höhe. Es zeigt, dass konventionelle Energien entgegen weitläufiger Meinung nicht komplett unabhängig von Wetterumständen sind. Aber es gibt noch weitere Faktoren, die zur Verteuerung der fossilen Energieträger führen: So werden die CO2-Zertifikate, das heißt die Verschmutzungsrechte, im Rahmen des Europäischen Emissionshandels deutlich verknappt, was in logischer Konsequenz zu deren Verteuerung führt. Diese Verteuerung ist aus Klimaschutzgründen durchaus wünschenswert, da sie nur so ihren Zweck erfüllen können: Nämlich fossile Energieträger mit ihren wahren Kosten zu belasten und damit letztendlich unwirtschaftlich zu machen. Ein negativer Nebeneffekt ist, dass der Handel mit diesen Zertifikaten an der Börse vermehrt Spekulanten auf den Plan treibt, die durch Spekulation auf steigende Preise deren Wert künstlich in die Höhe treiben. Die Kosten dieser Zertifikate haben sich dadurch im letzten Jahr mehr als verdreifacht. Die gute Nachricht ist, dass Strom aus Wind und Sonne immer günstiger wird. So sinkt auch die im Strompreis enthaltene EEG-Umlage zum zweiten Mal in Folge. In den ersten drei Quartalen dieses Jahres haben regenerative Quellen zudem ganze 38 Prozent des Stromverbrauches gedeckt. Rekord! Je mehr dreckige Kohlemeiler durch die Verteuerung der Verschmutzungsrechte vom Netz gehen, desto mehr „Platz“ ist in den Netzen für saubere und kostengünstige Energie aus Sonne und Wind. Es ist zu hoffen, dass die Energiewende dadurch im wahrsten Sinne des Wortes „frischen Wind“ erfährt und den zum Erreichen der Klimaschutzziele dringend nötigen Aufschwung erfährt. Die Belastung der fossilen Energieträger mit CO2- Zertifikaten spiegelt ihre gesamtgesellschaftlichen Kosten wider und erhöht damit den Kostendruck weiter. Fakt ist: Keine Energieform kann derzeit so günstig Strom produzieren wie neu erbaute Wind- und Solarkraftwerke. Das muss sich auch in der Tasche der Verbraucher widerspiegeln.

 

Oktober 2018: Aktuelle Klimapolitk

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

es ist zum Verzweifeln: wir brauchen die Energiewende und das möglichst schnell! Die Industrie selbst hat mittlerweile vielfache innovative Lösungen und vor allem auch den Willen für Veränderung im Gepäck. Statt auf Wachstum stehen die Zeichen der Branche mittlerweile aber auf Unsicherheit. Schuld ist die energiepolitische Tatenlosigkeit in Berlin, die es versäumt, die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen. Generell herrscht eine gewisse Mutlosigkeit in der Politik vor großen Entscheidungen. Deutschland ist da übrigens mehr im Hintertreffen als viele andere europäische Länder. Die Groko hat das Thema Energiewende schon in den vergangenen Jahren verpennt. Hier fürchtet man sich davor, die Frage des Strukturwandels z.B. in den Kohleregionen aktiv anzugehen. Es ist dieser Stillstand in vielen Bereichen der Klima- und Energiepolitik, der die Energiewende - und mit ihr auch die komplette Branche der Erneuerbaren - auszubremsen droht. Viele der mittlerweile 400.000 „grünen“ Jobs geraten aktuell in Gefahr. Zum Vergleich: 20.000 Arbeitsplätze gibt es noch im Kohlebereich. Während beispielsweise die Windenergie international zu den innovativen und umweltfreundlichen Wachstumsbranchen zählt, gefährdet die Politik von Union und SPD hierzulande massiv die Weiterentwicklung. Große deutsche Firmen wie Nordex, Enercon oder Siemens Gamesa müssen aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage im Inland Mitarbeiter entlassen. Die Folge: technisches Know How und wirtschaftliche Power werden zunehmend ins Ausland verlagert. Deutschland droht erneut (vgl. Photovoltaik) seine Führungsposition zu verspielen. Jüngst hatte so auch der BUND der Bundesregierung offiziell „klimapolitische Untätigkeit“ vorgeworfen und die Einleitung von Sofortmaßnahmen gefordert. Und auch eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik und das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt, dass allein der fehlende politische Wille Schuld am Verfehlen der deutschen Klimaziele sei. Im Koalitionsausschuss am 01. Oktober wurde nun zumindest festgelegt, dass es eine baldige Einigung über einen schnelleren Ökostrom-Ausbau geben soll. Die Koalition habe sich vorgenommen, den Anteil der Erneuerbaren Energien auf 65 % in 2030 zu steigern. Alles also noch sehr vage. Fakt ist: Wer den notwendigen Umbau der Energieversorgung aufschiebt und weiter pennt, bezahlt dies später mit großer Wahrscheinlichkeit mit immensen Kosten.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihre Bärbel Heidebroek

 

September 2018: Energiewende auf Borkum

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

was Gesamtdeutschland zurzeit vermissen lässt, macht die kleine Nordseeinsel Borkum aktuell vor. Sie beweist großes Engagement in Sachen Energiewende und hat sich zum Ziel gesetzt, bereits Ende des Jahres eine 100-prozentige Versorgung mit regenerativen Energien zu erreichen. Bis 2030 will die Gemeinde komplett klimaneutral sein. Als eine Art Testlabor erproben die Insulaner und die Borkumer Stadtwerke zusammen mit Projektpartnern moderne Speicher und Energiemanagementsysteme. Diese Technologien sind ein wichtiger Baustein für die vollständige Versorgung mit Erneuerbaren Energien. Zu diesem Zweck wurden auf der Insel Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 279 Kilowatt, Prototypen dezentraler Energiespeicher mit einer Gesamtkapazität von 580 Kilowattstunden sowie Energiemanagementsoftware und Smart Meter installiert. Zusätzlich wurde ein moderner Energiespeicher mit einer Leistung von 1.000 Kilowatt und einer Kapazität von 500 Kilowattstunden an das Mittelspannungsnetz angeschlossen. Durch das Verbinden von Erzeugungsanlagen und Speichern über das Energiemanagementsystem entsteht ein sogenanntes Virtuelles Kraftwerk. So gelingt es, die wetterabhängige Solarstromerzeugung mit dem Verbrauch zeitlich in Einklang zu bringen. Ein tolles Leuchtturmprojekt für das die Agentur für Erneuerbare Energien Borkum nun als "Energie-Kommune des Monats" ausgezeichnet hat. Die Insel ist komplett vom Meer umschlossen und bietet nicht nur durch ihre isolierte Lage, die vielen Sonnenstunden und den stetigen Wind ideale Bedingungen für solch ein Testlabor. Ein wichtiger Faktor ist die aufgeschlossene und positive Einstellung der Bewohner gegenüber den Erneuerbaren Energien. Über Windräder oder Solarfelder beklagt sich hier niemand, denn alte fossile Energien will schon lange keiner mehr. Ganz besonders nicht mehr seitdem der Energiekonzern RWE 2006 gegen allen Widerstand mit den Planungen für den Bau des Kohlekraftwerks Eamshaven in nur 30 Kilometern Entfernung zum Nationalpark und UNESCO Weltnaturerbe „Niedersächsisches Wattenmeer“ begann. Allen Protesten zum Trotz ging der Kohlemeiler 2015 ans Netz. Borkum scheint daraus nun einen Teil seiner positiven Motivation für die Energiewende zu ziehen. Es geht im Grunde um nicht weniger als die eigene Existenz, denn die Insel selbst ist durch den ansteigenden Meeresspiegel infolge des Klimawandels bedroht. Das aktuelle Forschungsprojekt läuft noch bis Ende des Jahres. Schon jetzt ist die Energiewende an vielen Stellen vor Ort sichtbar. So wird tagsüber erzeugter Solarstrom durch die Kopplung mit intelligenten Zählern und Batterien für die nächtliche Straßenbeleuchtung genutzt. Auch das Nordsee Aquarium ist in das Projekt einbezogen. Eine Wärmepumpe nutzt Solarstrom, um die Temperatur in den Becken zu regulieren. Am Erfolg der Energiewende zweifelt hier niemand mehr.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihre Bärbel Heidebroek

 

August 2018: Forscher warnen vor einer Heißzeit

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

"Stellen Sie sich ein Auto vor, das einen Hang hinaufgeschoben wird. Wenn das Auto einmal über die Kante rüber ist, rauscht es ab. [...] Wir sind in der Phase, in der wir Menschen den Klimawandel anschieben. Wir sehen im Nebel nicht genau, wo die Kante ist, aber wir schieben wie die Blöden, indem wir Kohle, Öl und Gas verbrennen." Werner Eckert, Leiter der SWR-Umweltredaktion, hat die aktuelle Lage sehr anschaulich beschrieben. Jüngst warnten Forscher vor einer Heißzeit. Durch sogenannte Kippelemente könnte der Klimawandel sich selbst immer weiter verstärken. Unabhängig vom Unter-Zwei-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens. Die Erde würde sich so langfristig um etwa vier bis fünf Grad Celsius erwärmen und der Meeresspiegel um 10 bis 60 Meter ansteigen, schreibt das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Keine guten Aussichten. Es scheint angesichts der verheerenden Prognosen und Forschungsergebnisse verrückt, dass die Politik noch immer nicht wirklich reagiert und das Thema Klimawandel konkret angeht. So weitermachen wie bisher geht definitiv nicht! Immerhin: die Hitze und vor allem Dürre der letzten Monate haben die Menschen aufgeschreckt. Der Ausnahmesommer verursacht mehr als ein mulmiges Gefühl. Vertrocknete Felder und Gärten, alarmierende Waldbrandgefahr, Stress für Menschen und Stress für die Natur. All das könnte zur Normalität werden. Mit ins Schwitzen geraten sind Teile der konventionellen Stromerzeugung. Aufgrund der Hitze und des damit verbundenen zu warmen Kühlwassers mussten Ende Juli mehrere Atom- und Kohlekraftwerke in Deutschland gedrosselt werden. Das Verrückte: Sonderregelungen erlauben den Betreibern zeitlich befristet wärmeres Wasser in die Flüsse zu leiten. Die eh schon gestressten Gewässer leiden zusätzlich. Eine Gefahr für Flora und Fauna, da bei einer Überhitzung der Sauerstoffgehalt des Wassers sinkt. Gerade die Kohlekraftwerke schaden somit doppelt. Sie pusten nicht nur weiter CO2 in die Luft, das die Klimaerwärmung fördert, sondern erhitzen die sowieso schon zu warmen Gewässer weiter. Man kann es nur immer wiederholen: Ein schneller Kohleausstieg ist unumgänglich! Neben vielen weiteren Maßnahmen wäre dies ein probates Mittel um unzählige Gigatonnen CO2 einzusparen. Es ist zu hoffen, dass der jetzige Sahara-Sommer die Diskussion um ein Ende der Kohleverstromung weiter vorantreibt! Es muss gehandelt werden. Jetzt! Von uns!

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihre Bärbel Heidebroek

 

Juli 2018: Kohle bremst die Energiewende aus

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Deutschland ist Vorreiter in Sachen Klimaschutz? Diese Zeiten sind vorbei. Zwar ist der Atomausstieg bis zum Jahr 2022 beschlossene Sache. Eine zügige Abkehr von der klimaschädlichen Braunkohle ist aber nach wie vor nicht in Sicht. Nun soll die Kohle-Kommission einen Ausstiegs-Plan auf den Weg bringen. Noch bevor diese startete, dämpfte Wirtschaftsminister Peter Altmaier allerdings die Hoffnungen auf eine baldige Stilllegung der Kohlekraftwerke. „Deutschland wird aus der Braunkohleverstromung nicht vor 2030 aussteigen“, so Altmaier. Die Kohle entwickelt sich damit weiter zum größten Hindernis für die Energiewende. Deutschland hatte sich vorgenommen, seine Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Die Bundesregierung räumte erst letzten Monat ein, dass die Klimaziele deutlicher verfehlt werden als bislang gedacht. Höchstens 32 Prozent weniger Treibhausgase scheinen möglich. Deutschland war jahrelang Vorbild in Sachen Klimapolitik. Nun droht ein internationaler Verlust an Glaubwürdigkeit. Das liegt nicht zuletzt an der Kohle. Kohlemeiler gelten als Klimakiller, da sie besonders viel des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) ausstoßen. Das aktuell allumfassende Problem: es fehlt ein konkreter Fahrplan in der Energiepolitik. Kritik kommt nicht nur aus der Erneuerbaren Branche, sondern mittlerweile aus der kompletten Energiewirtschaft. Das Hin und Her der Politik und die unklaren Rahmenbedingungen führen zu enormen Unsicherheiten für Planer, Investoren, die nachgelagerten industriellen Wertschöpfungsketten und nicht zuletzt für die Beschäftigten in den Energiebranchen. Die fehlende Planungssicherheit macht besonders den kleinen mittelständischen Unternehmen das Leben schwer. Dank der Erneuerbaren sind insbesondere in strukturschwächeren Regionen eine große Anzahl an Arbeitsplätzen entstanden, die durch das Ausbremsen der Politik nun wieder in Gefahr geraten. Fakt ist: Wir brauchen einen konkreten Fahrplan für den Weg in eine saubere Zukunft. Dazu gehört ein rascher Ausstieg aus der Kohle. Die Bundesregierung ist aufgefordert, den Ausbau der Erneuerbaren als tragende Säule für den Klimaschutz zu stärken statt zu schwächen. Das aktuelle Zaudern der Politik verhindert Klimaschutz, nimmt der Industrie Planungssicherheit und verschleppt den Aufbau eines modernen, zukunftsfähigen Energieversorgungssystems.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihre Bärbel Heidebroek

 

 

Juni 2018: Elektromobilität auf dem Vormarsch

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

seit April ist er im Einsatz: unser Landstrom E-Golf. Wir sind begeistert! Leises sauberes Fahren und „getankt“ wird ganz einfach an der Steckdose zu hause. Zudem gibt es im Pfarrweg 2 bei Landstrom seit Anfang des Jahres eine öffentliche  Ladestation mit Erneuerbarer Energie, die nicht nur unserem E-Golf sondern jedem Elektro-Autofahrer werktags zwischen 8 und 17 Uhr kostenlos zur Verfügung steht.

Auch wenn der Anteil an E-Autos in Deutschland momentan nur bei 1,6 Prozent liegt, die Zukunft des Automobils scheint elektrisch. Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) waren weltweit im vergangenen Jahr mehr als drei Millionen Elektroautos unterwegs. Die IEA errechnete ein Plus von mehr als 50 Prozent  innerhalb eines Jahres. Als Gründe nannte sie niedrigere Herstellungskosten für die entsprechenden Batterien, die zudem leistungsfähiger geworden sind. Hier schreitet die Entwicklung mit schnellen Schritten voran. Die EU will zukünftig zudem 800 Millionen Euro zur Verfügung stellen, um Ladepunkte auszubauen. Weitere 200 Millionen Euro werden in die Entwicklung der Batterietechnik investiert. Deutschland wird die selbst gesteckten Emissionsziele für 2020 verfehlen. Umso wichtiger ist, dass die Dekarbonisierung des Verkehrssektors oberste Priorität bekommt. Das haben mittlerweile auch die deutschen Autokonzerne begriffen. Auch wenn uns andere Länder global gesehen – in erster Linie China - absatzmäßig noch weit voraus sind, holen die deutschen Konzerne auf. Sie dominieren den inländischen Markt bei E-Fahrzeugen mit einem Anteil von 68 Prozent, in Westeuropa sind es immerhin noch 55 Prozent. In absoluten Zahlen ist das Elektrosegment noch recht klein, das Wachstum aber ist erheblich. Der Volkswagen-Vorstand Thomas Ulbrich kündigte Ende April auf der Automesse in Peking an, dass VW zwei neue Werke für Elektroautos in China und eines in den USA aufbauen werde.  Das bestehende Werk in Zwickau wird innerhalb von zwei Jahren komplett auf E-Mobilität umgestellt. Zudem hat die Gläserne Manufaktur von Volkswagen in Dresden wegen der hohen Nachfrage auf Doppelschicht umgestellt. Das Rennen um den Markt der Zukunft hat längst  begonnen. Die deutsche Autoindustrie hat sich endlich auf den Weg gemacht – mit Aussicht auf Erfolg. Das sind doch tatsächlich einmal gute Nachrichten für unser Klima!

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihre Bärbel Heidebroek

 

Mai 2018: Schlechte Nachrichten für unsere Umwelt

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

zurzeit gibt es viele schlechte Nachrichten für unsere Umwelt. Forscher entdeckten jüngst eine besorgniserregende Menge an Plastikmüll in der Antarktis. Die Diskussion um eine mögliche Abschwächung des Golfstroms als Folge des Klimawandels ist neu entbrannt und eine Trendwende beim hohen Ressourcenverbrauch der Weltbevölkerung ist nach wie vor nicht in Sicht. Am 02. Mai war der offizielle deutsche Erd-Überlastungstag. Die Bundesbürger haben zu diesem Stichtag ihren Anteil an den weltweiten Ressourcen aufgebraucht und bereits entsprechend viel Müll und Abgase produziert. Das bedeutet, die Menschen leben für den Rest des Jahres auf Kosten kommender Generationen. Würde die ganze Weltbevölkerung so leben und wirtschaften wie die Bevölkerung in Deutschland, dann bräuchten wir jährlich drei Erden um uns zu versorgen. Wir haben aber nur eine. Wir leben also weiterhin deutlich über unsere Verhältnisse. Und anstatt das Thema Energiewende endlich einmal konsequent weiterzubringen und unsere Umwelt zu retten, tritt Deutschland auf der Stelle. Noch viel schlimmer: Aktuell dringen, wenn auch leise, hochbrisante Meldungen aus der Politik über mögliche neue Laufzeitverlängerungen der Atomkraftwerke an die Öffentlichkeit. Viele Menschen hat das bisher kaum erreicht. Die meisten Bundesbürger haben den Ausstieg aus der Atomenergie ja eigentlich auch als längst beschlossene Sache abgelegt. Das aktuelle Problem: Atomkonzerne haben Teile ihrer Schadensersatzforderungen, die Ihnen durch Kanzlerin Merkels Atomausstiegskonzept ermöglicht wurden, vor Gericht durchgebracht. Das Wirtschaftsministerium muss nun Wege finden, wie sie beglichen werden. Neben finanziellen Ausgleichsmitteln scheint unglaublicherweise für unseren Bundeswirtschaftsminister Altmaier auch eine erneute Laufzeitverlängerung zum möglichen Plan zu gehören. Eine ungeheuerliche Missachtung des größten Teils der Bevölkerung, die Jahrzehnte erfolgreich für das Abschalten der AKWs kämpfte. Und ein Fußtritt in Richtung Energiewende! Atomausstieg mit Fragezeichen? – Nein, Danke!

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihre Bärbel Heidebroek

 

April 2018: Klima in Gefahr

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

das Weltklima ändert sich – und das sogar vielfach schneller als es viele Wissenschaftler vorausgesagt haben.  Eine Folge des Klimawandels ist die deutliche Zunahme von Naturkatastrophen in den letzten 20 Jahren. Der steigende Meeresspiegel, Überschwemmungen, Dürren, Taifune und Hurrikans bedrohen zunehmend die Lebensgrundlagen von Millionen von Menschen und wirken wie ein „Migrations-Motor“. In einigen afrikanischen Ländern könnten sich die Erträge aus der vom Regen abhängigen Landwirtschaft bis 2020 um bis zu 50 Prozent reduzieren und somit die Nahrungsmittelknappheit auf dem Kontinent verstärken. Überhaupt werden sich von Dürre betroffene Gebiete weltweit flächenmäßig ausdehnen. Der Meeresspiegel wird je nach Szenario zwischen 26 und 82 Zentimeter ansteigen. Ganze Inselstaaten drohen im Meer zu versinken. Jetzt  schlug die Weltbank Alarm: Wenn die Politik nicht langsam aufwache und entschiedener gegen den Klimawandel vorgehe, könnte es bis zum Jahr 2050 mehr als 140 Millionen Flüchtlinge geben. Die sogenannten Klimaflüchtlinge kämen zu denjenigen hinzu, die bereits aus politischen, wirtschaftlichen oder sozialen Gründen auf der Flucht seien. Jedem dürfte klar sein, welch großes Konfliktpotential darin liegt. Es ist unumgänglich: die führenden Industrieländer müssen ihren CO?-Ausstoß radikal senken. Die Politik ist in der Pflicht, die richtigen Weichen zu stellen. Besonders das Thema Sektorkopplung, also die Verzahnung von Strom, Wärme und Mobilität, ist hier besonders wichtig. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass die Erneuerbaren Energien optimal genutzt und in unser Energiesystem integriert werden. Doch auch wir alle können zum Schutz des Klimas beitragen und CO?-Emissionen einsparen, indem wir regenerative Energiequellen nutzen und  unsere Verhaltensmuster hin zu mehr Ressourcenschutz ändern. Weniger  Fleisch essen, Energie sparen, wo es nur geht und beim Thema Mobilität umdenken. Es gibt viele Möglichkeiten, das Auto ab und an mal stehen zu lassen. Stattdessen können wir das Fahrrad nehmen, Carsharing-Angebote nutzen oder auf ein E-Auto umsteigen. Gerade hier steckt ein unglaubliches Potenzial. Fahrzeuge, die mit regenerativ erzeugten Strom fahren, sind nicht nur unabhängig von Öl und Co, sondern fahren ohne Schadstoffausstoß. Eine gute Sache. Und momentan tut sich viel in diesem Bereich. Nachdem Elektromobilität in den vergangenen Jahren eher langsam vorankam, spürt man nun eine Aufbruchstimmung. Überall entstehen Ladesäulen. So auch bei uns in Gevensleben. Sollten Sie sich, liebe Leser, ein E-Auto zulegen oder bereits eines besitzen, dann laden wir Sie von Landstrom herzlich zu uns in den Pfarrweg 1 ein. Unsere E-Ladesäule steht Ihnen werktags in der Zeit von 8 bis 17 Uhr kostenlos zum Aufladen mit Erneuerbarer Energie zur Verfügung.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihre Bärbel Heidebroek

 

März 2018: Negative Strompreise

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

was sind eigentlich negative Strompreise? Mit der Energiewende nehmen auch die Meldungen von negativen Strompreisen an der Strombörse EEX zu. Der Grund dafür lässt sich ganz einfach erklären. Über 36 Prozent des Stromverbrauchs wird heute durch Erneuerbare Energien, wie Wind, Sonne und Wasser abgedeckt. Wir alle wissen jedoch, dass die Stromerzeugung aus Erneuerbaren stark schwankt. Das heißt, wenn viel Wind weht und gleichzeitig die Sonne scheint, wird viel Strom produziert. Und Strom muss physikalisch in der Sekunde verbraucht werden, in der er erzeugt wird. Wenn an wind- und sonnenreichen Tagen gleichzeitig wenig Strom von den Verbrauchern abgenommen wird, weil beispielsweise Sonntag oder ein Feiertag ist, kommt es zu einem Überangebot. Die Preise sinken – in manchen Stunden auch ins Negative. Das heißt, wer in dieser Zeit Strom an der Börse einkauft, bekommt sogar Geld dafür. Aber warum werden konventionelle Kraftwerke nicht einfach abgeschaltet, wenn Wind und Sonne für ausreichend Strom sorgen? Ganz einfach. Das Herunter- und Wiederhochfahren der Kraftwerke ist teuer und aufwendig. Somit ist es für manche Kraftwerksbetreiber günstiger, den Strom zu produzieren und sozusagen zu verschenken, anstatt das Kraftwerk abzuschalten. Sind negative Strompreise nun per se schlecht? Nein – im Gegenteil. Negative Strompreise setzen Anreize, denn niemand verliert gern Geld. Das sehen bereits auch ein paar der konventionellen Kraftwerksbetreiber so und haben in die Flexibilität ihrer Kraftwerke investiert. Die Kraftwerke können also bei einem zu hohen Stromangebot schneller runterfahren. Negative Strompreise machen auch Speichertechnologien interessanter. Denn bei negativen Strompreisen erhalte ich Geld dafür, wenn ich Strom abnehme und diesen einspeichere. Sobald das Stromangebot sinkt, kann ich meinen eingespeicherten Strom wieder am Markt verkaufen. Aber auch für die Stromverbraucher bieten sich Möglichkeiten, negative Strompreise zu nutzen. Die Industrie kann teilweise schon jetzt ihren Energiebedarf an das Stromangebot anpassen und somit wirtschaftliche Vorteile am Strommarkt generieren. Die negativen Strompreise werden dazu führen, dass immer mehr Verbraucher flexibel auf den Strommarkt reagieren. Bald wird die Waschmaschine, die genau dann anfängt zu waschen, wenn der Strompreis niedrig oder sogar negativ ist, in jedem Haushalt Realität sein. Dann werden wir als Endverbraucher auf unserer Stromrechnung sehen, dass die Energiewende, neben dem dringend erforderlichen Klimaschutz, einen wirtschaftlichen Erfolg für jeden von uns darstellt.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihre Bärbel Heidebroek

 

Februar 2018: Elektromobilität als Hebel der Energiewende

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

2017 war ein Rekordjahr für die Erneuerbaren Energien. Windkraft-, Biomasse-, Solar- und Wasserkraftanlagen erzeugten ganze 36,1 Prozent des Stroms in Deutschland. Vor allem die Windenergie hat zu diesem Erfolg beigetragen. So wurde erstmals mehr Strom aus Wind produziert als aus Steinkohle und Atomkraft. Diese fielen auf das niedrigste Niveau seit 1990. Mittlerweile sind wir beim Ausbau der Erneuerbare Energien im Stromsektor auf einem guten Weg. Außerhalb des Stromnetzes macht sich Erneuerbare Energie hingegen noch rar. Das gilt besonders für den großen Bereich Verkehr. Hier sieht die Bilanz der letzten Jahre recht traurig aus. Seit 1990 haben sich die Klimagasemissionen des deutschen Verkehrs nicht verringert. Neben einer Änderung des Mobilitätsverhaltens müssen wir weg von klimaschädlichen Verbrennungsmotoren. Ein wichtiger Hebel für die Energiewende im Verkehr ist die Elektromobilität, wenn der benötigte Strom aus Erneuerbaren Quellen kommt. Laut Center of Automotive Management (CAM) stehe in den nächsten zehn bis 15 Jahren ein „massiver Umbruch der Antriebstechnologien“ bevor. Das Problem: Deutschland hinkt anderen Staaten beim Thema Elektromobilität weiter hinterher. China ist nach wie vor Spitzenreiter. Und das mit zunehmender Dynamik. Insgesamt wurden hier im vergangenen Jahr 777.000 E-Autos abgesetzt. Zum Vergleich: in Deutschland waren es rund 54.500 Stück. Ein Haupthindernis für den Durchbruch der Elektromobilität in unserem Land  liegt vor allem in der bisher noch mangelnden Ladeinfrastruktur. So langsam tut sich aber was. Die großen deutschen Autobauer wollen in den nächsten Jahren Milliardensummen in den Ausbau der Elektromobilität investieren. So hat sich beispielswiese Volkswagen mit anderen Herstellern zusammengetan, um entlang der Autobahnen Schnellladestationen einzurichten. Was die “Großen“ zum Teil noch planen ist im beschaulichen Gevensleben schon Realität. Seit diesem Monat gibt es bei Landstrom im Pfarrweg 2 eine E-Ladesäule, an der jeder sein Elektroauto in der Zeit von 8 bis 17 Uhr kostenlos laden kann. Sie haben richtig gelesen: kostenlos, mit Ökopower vom Land. Ein kleiner Schritt in Richtung Energiewende und in eine saubere Zukunft. 

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihre Bärbel Heidebroek

 

Januar 2018: Gute (Klima-)Vorsätze für das Neue Jahr

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

ich wünsche Ihnen ein frohes 2018! Mein Name ist Bärbel Heidebroek vom Energieversorger Landstrom aus Gevensleben. Gern möchte ich zukünftig einmal im Monat für Sie über Themen aus der Energiewirtschaft berichten und dabei helfen, etwas Licht in die oft sehr komplexen Sachverhalte zu bringen. Von Politik über E-Mobilität bis hin zu Energiespartipps – es erwartet Sie eine bunte Themenmischung rund um die Erneuerbaren Energien. Selbstverständlich können Sie mir Ihre Fragen hinsichtlich dem Strom- und Energiemarkt stellen. Ich werde darauf dann in einer der kommenden Ausgaben eingehen. Senden Sie Ihre Frage einfach an:  info@landstrom-landwind.de. 

Zum heutigen Auftakt soll es um die guten Vorsätze gehen, die sich viele Menschen zum Jahreswechsel vornehmen. Mehr Sport, gesünder essen, mehr Zeit für Freunde und Familie stehen meist ganz oben auf der Liste. Ich hätte da auch noch eine schöne Idee. Wie wäre es mit dem Vorsatz, klimafreundlicher zu leben? Unserer Umwelt etwas Gutes tun. Das ist gar nicht so schwer, denn bereits mit wenigen Verhaltensänderungen kann jeder von uns seinen Lebensstil  klimafreundlicher gestalten. Wie hoch ist zum Beispiel die eigene Ökobilanz? Um das zu berechnen gibt es ein spannendes Modell: den Klimarucksack oder ökologischen Rucksack.  Dieser drückt das Gewicht aller natürlichen Rohstoffe aus, die für unseren Konsum anfallen. Je weniger natürliche Rohstoffe wir verbrauchen, desto geringer sind auch unsere Umweltauswirkungen. Was viele vergessen, selbst hinter kleinen alltäglichen Gegenständen, wie beispielsweise einem Handy, verbergen sich oft schwere ökologische Lasten. Im Endprodukt ist oft nur ein Bruchteil der Energie, die für seine Herstellung verbraucht wurde, sichtbar. Rund 90 Prozent der natürlichen Ressourcen gehen durchschnittlich bei industriellen Gütern verloren. Auch hinter vielen Tätigkeiten verstecken sich mehr Lasten, als man zunächst wahrnimmt. So berechnet der ökologische Rucksack beispielsweise für das Autofahren nicht nur das Auto selbst und das Benzin, sondern anteilig auch die Eisenerzmine, die Stahlhütte und das Straßennetz.  Im Internet unter http://ressourcen-rechner.de/ können Sie durch die Beantwortung  von Fragen zu den Bereichen Wohnen, Konsum, Ernährung, Freizeit, Mobilität und Urlaub erfahren, wie nachhaltig Ihr eigener Lebensstil bzw. wie schwer ihr Klimarucksack ist. Danach gibt es Vorschläge, wie ihr Leben ressourcenleichter wird. Das dauert nur zehn Minuten. Die lohnt es zu investieren, oder? Ein guter Vorsatz für das Neue Jahr.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihre Bärbel Heidebroek